Die 10 größten Stromfresser in der Unternehmens-IT – und wie man sie findet

Beim Thema Energieeffizienz in der IT wird häufig zuerst über neue, sparsamere Hardware gesprochen. Dabei liegt das größere Potenzial in vielen Unternehmen an einer ganz anderen Stelle: Bereits vorhandene Technik läuft länger, größer oder leistungsfähiger als eigentlich notwendig.

Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen sind IT-Landschaften häufig über Jahre gewachsen. Ein Server kam hinzu, dann ein Storage, eine zusätzliche USV, weitere Access Points, größere Monitore und irgendwann eine eigene Klimaanlage für den Serverraum. Jede einzelne Entscheidung war nachvollziehbar – in Summe entsteht jedoch Infrastruktur, deren Energieverbrauch kaum jemand vollständig kennt.

Wer Strom sparen möchte, sollte daher mit der Frage beginnen:

„Wo verbraucht unsere IT heute eigentlich Strom – und wofür?“

Die folgenden zehn Bereiche sind dabei besonders interessant. Ihre Reihenfolge ist keine allgemeingültige Verbrauchsrangliste. Ein Unternehmen mit eigener Serverinfrastruktur hat andere Schwerpunkte als ein Betrieb, der fast vollständig mit Cloud-Services arbeitet.

1. Schwach ausgelastete physische Server

Der offensichtlichste Stromverbraucher befindet sich häufig im Serverraum. Gleichzeitig ist genau dort das Einsparpotenzial besonders groß.

Ein Server verbraucht nämlich auch dann erheblich Energie, wenn er wenig zu tun hat. Deshalb ist ein leistungsfähiger Server mit hoher sinnvoller Auslastung häufig effizienter als mehrere kaum ausgelastete Systeme.

Wie findet man das Problem?

Zunächst sollte die durchschnittliche CPU-, RAM- und I/O-Auslastung der physischen Server über mehrere Wochen betrachtet werden. Läuft ein Server dauerhaft mit sehr niedriger Last, sollte geprüft werden, ob seine Aufgaben virtualisiert, zusammengelegt oder auf andere Systeme migriert werden können.

Gerade ältere Server sollten kritisch hinterfragt werden. Nicht selten wird Hardware weiterbetrieben, weil sie „eben schon da ist“. Richtig kritisch wird es bei Systemen die älter als 8-10 Jahre sind.

Wie sich durch Konsolidierung physische Systeme einsparen lassen, haben wir bereits im Beitrag „Virtualisierungsgrad erhöhen: Der wirkungsvollste Hebel für weniger Server und mehr Nachhaltigkeit“ beschrieben.

2. Überdimensionierte und vergessene virtuelle Maschinen

Virtualisierung löst das Effizienzproblem nicht automatisch. Im Gegenteil: Weil sich eine neue VM innerhalb weniger Minuten erstellen lässt, entstehen mit der Zeit häufig immer mehr Systeme.

Besonders problematisch sind überdimensionierte VMs. Acht virtuelle CPUs werden vergeben, obwohl zwei genügen würden. 32 GB RAM bleiben reserviert, obwohl die Anwendung dauerhaft nur einen Bruchteil davon benötigt. Hinzu kommen Testsysteme, alte Maschinen und sogenannte Zombie-VMs, die niemand mehr wirklich braucht.

Dadurch sinkt die mögliche Konsolidierungsdichte und im schlimmsten Fall muss zusätzliche physische Hardware betrieben werden.

Wie findet man das Problem?

Hypervisor wie VMware, Proxmox oder KVM liefern die notwendigen Daten bereits. Interessant sind insbesondere CPU- und RAM-Auslastung über längere Zeiträume sowie VMs mit sehr geringer Aktivität. Auch alte Snapshots und verwaiste virtuelle Festplatten sollten überprüft werden.

Das passende Verfahren nennt sich Right-Sizing: Ressourcen werden nicht möglichst knapp, sondern passend zum tatsächlichen Bedarf dimensioniert. Mehr dazu im ecologee-Beitrag „Right-Sizing in der IT: Warum weniger oft mehr ist“. VMware unterscheidet dabei sinnvoll zwischen Right-Sizing und „Reclamation“, also dem vollständigen Entfernen nicht mehr benötigter Ressourcen.

3. Die Kühlung des Serverraums/RZs

Eine Klimaanlage verbraucht Strom, ohne selbst eine einzige IT-Aufgabe zu erledigen. Besonders in kleinen Serverräumen findet man häufig historisch gewachsene Kühlkonzepte: sehr niedrige Solltemperaturen, schlecht geregelte Split-Klimageräte oder Serverracks, bei denen warme und kalte Luft unkontrolliert vermischt werden.

Das kann teuer werden, weil praktisch jedes Watt, das Server, Storage und Netzwerkgeräte aufnehmen, anschließend als Wärme wieder aus dem Raum transportiert werden muss.

Wie findet man das Problem?

Stromverbrauch der Klimatisierung und Stromverbrauch der eigentlichen IT sollten (getrennt) gemessen werden. Zusätzlich lohnt sich eine Temperaturmessung an unterschiedlichen Stellen des Serverraums und direkt an den Racks.

In größeren Umgebungen eignet sich dafür die Kennzahl PUE (Power Usage Effectiveness). Sie setzt den gesamten Energiebedarf eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energiebedarf der eigentlichen IT. Der aktuelle Uptime-Industry-Durchschnitt liegt 2026 bei einer PUE von 1,52. Moderne große Rechenzentren erreichen oft 1,3 oder weniger. Teils sind hier Einsparung bis 40% des Gesamtstromverbauchs für den Serverraum/das Rechenzentrum möglich.

4. Storage und unnötig gespeicherte Daten

Daten wirken immateriell, ihre Speicherung ist es jedoch nicht. Festplatten und SSDs benötigen Strom, Storage-Systeme müssen gekühlt werden und zusätzliche Daten landen häufig wiederum im Backup, in Replikaten oder Archiven. Aus einem Terabyte unnötiger Produktivdaten können dadurch mehrere Terabyte physischer Speicherbedarf entstehen.

Das Problem ist in vielen Unternehmen weniger der einzelne Datensatz als das kontinuierliche Wachstum: alte Benutzerverzeichnisse, ehemalige Projekte, ungenutzte VM-Images, jahrelang aufbewahrte Backups oder redundante Kopien werden selten konsequent entfernt.

Wie findet man das Problem?

Storage-Systeme sollten regelmäßig nach belegter Kapazität, Wachstum, Datenalter und Datentyp analysiert werden. Besonders interessant sind große Dateien und Verzeichnisse, die seit Jahren nicht verändert oder verwendet wurden.

Dabei sollte nicht einfach gelöscht werden. Gesetzliche Aufbewahrungsfristen und geschäftliche Anforderungen müssen selbstverständlich berücksichtigt werden. Für alles andere gilt jedoch: Daten, die nicht gespeichert werden müssen, benötigen auch keinen Storage, kein Backup und keine Replikation.

5. USV und Stromverteilung

Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ist für wichtige IT-Systeme sinnvoll oder unverzichtbar. Sie arbeitet jedoch nicht verlustfrei.

Besonders ältere oder massiv überdimensionierte USV-Anlagen können einen überraschenden Dauerverbrauch verursachen. Auch Transformatoren und weitere Komponenten der Stromverteilung erzeugen Verluste.

Wie findet man das Problem?

Die vom Netz aufgenommene Leistung sollte mit der tatsächlich an die IT abgegebenen Leistung verglichen werden. Moderne USV-Systeme stellen diese Daten meistens bereits über ihr Managementinterface bereit.

Gleichzeitig lohnt sich der Einsatz intelligenter PDUs. Sie messen den Verbrauch direkt im Rack und teilweise sogar an einzelnen Steckdosen. Damit lassen sich nicht nur Verluste erkennen, sondern auch ungewöhnlich hohe Verbraucher oder längst vergessene Geräte identifizieren. ENERGY STAR nennt Smart-PDUs ausdrücklich als Möglichkeit, unter anderem sogenannte „comatose servers“ aufzuspüren.

Mehr dazu auch im ecologee-Beitrag „Intelligente PDUs im Rechenzentrum“.

6. Arbeitsplatz-PCs, die viel zu lange laufen

Der einzelne Büro-PC wirkt im Vergleich mit einem Server zunächst unbedeutend. Bei 30, 50 oder 100 Arbeitsplätzen sieht das bereits anders aus.

Problematisch sind vor allem Bürogeräte (auch Präsentationsmonitore oder Drucker), die abends und noch schlimmer am Wochenende weiterlaufen, unnötig leistungsfähige Workstations und deaktivierte Energiesparfunktionen. Dabei verfügen aktuelle Betriebssysteme längst über umfangreiche Möglichkeiten, Bildschirm, Prozessor und System bei Inaktivität automatisch herunterzuregeln oder in ein tiefes Standby zu versetzen.

Microsoft beispielsweise nennt kürzere Bildschirm- und Ruhezeiten ausdrücklich als wichtige Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Das Unternehmen berichtet für Windows-Geräte, die mindestens eine seiner Energieempfehlungen übernehmen, im Durchschnitt von rund sieben Prozent Einsparung – wobei der Effekt natürlich vom jeweiligen Ausgangszustand abhängt.

Wie findet man das Problem?

Bei einigen repräsentativen Arbeitsplätzen kann zunächst für ein oder zwei Wochen mit einfachen Steckdosenmessgeräten gemessen werden. Gleichzeitig liefern Endpoint-Management- oder RMM-Systeme Informationen darüber, welche Rechner nachts und am Wochenende eingeschaltet bleiben.

Gerade bei vielen Arbeitsplätzen (>50) lohnt es sich anschließend, Energieprofile zentral per Gruppenrichtlinie oder Endpoint-Management auszurollen.

7. Monitore und überdimensionierte Bildschirmarbeitsplätze

Monitore werden häufig unterschätzt. Zwei oder drei große Displays pro Arbeitsplatz können über den Arbeitstag mehr Energie benötigen als der dazugehörige sparsame Notebook-PC.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Stromverbrauch eines Monitors durchaus höher als der des Computers sein kann und mit zunehmender Bildschirmgröße steigt. Außerdem empfiehlt es, Energiesparfunktionen konsequent zu nutzen.

Wie findet man das Problem?

Auch hier reicht zunächst eine Stichprobe mit einem Steckdosenmessgerät. Zusätzlich sollten Bildschirmgröße, Helligkeit, Anzahl der Displays und automatische Abschaltzeit geprüft werden.

Es geht dabei nicht darum, Mitarbeitern sinnvolle Arbeitsmittel wegzunehmen. Zwei Monitore können beispielsweise die Produktivität deutlich verbessern. Ein 49-Zoll-Display für einen Arbeitsplatz, an dem überwiegend E-Mails bearbeitet werden, sollte jedoch zumindest genauso hinterfragt werden wie ein überdimensionierter Server. Vor allem dann, wenn es wieder um mehrere Duzend oder 100te Arbeitsplätze geht.

8. Netzwerk, WLAN und PoE

Switches, Router, Firewalls, Access Points und VoIP-Telefone laufen üblicherweise rund um die Uhr. Gerade deshalb summieren sich auch moderate Leistungsaufnahmen.

Besonders interessant ist Power over Ethernet (PoE). Moderne Switches versorgen darüber WLAN Access Points, Telefone, Kameras und weitere Geräte. Die Leistungsaufnahme der angeschlossenen Verbraucher lässt sich bei vielen Managed Switches bereits pro Port auslesen.

Wie findet man das Problem?

Bei Managed Switches sollte zunächst der PoE-Verbrauch geprüft werden. Danach lohnt sich ein Blick auf ungenutzte Switch-Ports, alte Access Points sowie Geräte, die durch modernere Hardware konsolidiert werden könnten.

Auch die Zahl der Netzwerkgeräte selbst ist interessant. Drei alte 24-Port-Switches sind nicht zwangsläufig sinnvoller als ein passend dimensionierter aktueller Switch.

Bei WLAN-Infrastrukturen sollte jedoch nicht blind nachts abgeschaltet werden. Funktionen wie Telefonie, Alarmtechnik, Maschinenkommunikation oder automatisierte Updates können auf die Infrastruktur angewiesen sein.

9. Drucker, Kopierer und Multifunktionsgeräte

Der berühmte Drucker im hintersten Büro, der zweimal im Monat verwendet wird, aber 365 Tage im Jahr eingeschaltet bleibt, ist noch immer keine Seltenheit.

Problematisch wird es vor allem, wenn Unternehmen viele einzelne Arbeitsplatzdrucker betreiben. Jeder besitzt ein eigenes Netzteil, einen eigenen Standby-Verbrauch und verursacht zusätzlich Verbrauchsmaterial und Wartungsaufwand.

Wie findet man das Problem?

Zunächst sollte eine vollständige Drucker- und Multifunktionsgeräteliste erstellt werden. Netzwerkmanagement und Printserver liefern häufig bereits Informationen zur tatsächlichen Nutzung.

Geräte mit sehr wenigen Druckaufträgen sind gute Kandidaten für eine Konsolidierung. Häufig kann ein gut platziertes Multifunktionsgerät mehrere selten genutzte Einzelgeräte ersetzen.

10. Alles, was rund um die Uhr läuft, obwohl es nur zeitweise gebraucht wird

Der letzte Punkt ist gleichzeitig einer der interessantesten.

Im Unternehmen gibt es zahlreiche Geräte, die einzeln betrachtet kaum auffallen: Dockingstations, Konferenztechnik, Displays in Besprechungsräumen, Testsysteme, Labornetzteile, Ladegeräte, NAS-Systeme, ungenutzte Access Points oder Demonstrationshardware.

Das gemeinsame Problem lautet: 24/7-Betrieb.

Ein kleiner permanenter Verbraucher läuft 8.760 Stunden pro Jahr. Deshalb können viele scheinbar unbedeutende Geräte in Summe einen relevanten Energieverbrauch verursachen.

Wie findet man das Problem?

Hier hilft häufig keine komplexe Software, sondern ein Rundgang durch das Unternehmen außerhalb der Arbeitszeit. Welche Displays leuchten? Welche Lüfter laufen? Welche Geräte sind warm? Welche Systeme sind noch eingeschaltet?

Anschließend kann mit einem einfachen Messgerät überprüft werden, ob sich eine automatische Abschaltung, Zeitschaltung oder zentral gesteuerte Abschaltung lohnt.

Was Geschäftsführung und IT-Leitung regelmäßig sehen sollten

Green IT sollte nicht zu einer Sammlung einzelner Energiesparaktionen werden.
Sinnvoller ist es, einige wenige Kennzahlen regelmäßig zu verfolgen.

Dazu können der Stromverbrauch des Serverraums, Energieverbrauch pro Arbeitsplatz, Anzahl physischer Server, durchschnittliche Serverauslastung, Zahl der VMs, Storage-Auslastung und gegebenenfalls PUE gehören.

Mehr dazu wie solche Kennzahlen aufgebaut werden können, finden Sie im ecologee-Beitrag „Green IT-Kennzahlen (KPIs): Nachhaltigkeit messbar machen“.

Auch regulatorisch gewinnt das Thema Messbarkeit an Bedeutung. Das deutsche Energieeffizienzgesetz verlangt für die von ihm erfassten Rechenzentren beziehungsweise IT-Betreiber kontinuierliche Messungen der elektrischen Leistung und des Energiebedarfs wesentlicher Komponenten sowie Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Energieeffizienz. Viele kleinere KMU liegen zwar unter den entsprechenden Schwellenwerten, die dahinterstehende Methodik ist aber auch für sie sinnvoll: messen, bewerten, optimieren und erneut messen.

Wo sollte ein KMU anfangen?

Wer bisher keinerlei Transparenz über den IT-Energieverbrauch hat, benötigt zunächst weder eine große Softwareplattform noch ein monatelanges Projekt.

Ein pragmatischer erster Check kann bereits viel zeigen:

  1. Stromverbrauch außerhalb der Geschäftszeiten prüfen.
  2. Serverraum/RZ separat messen.
  3. Auslastung aller physischen Server und VMs analysieren.
  4. Kühlung und USV getrennt betrachten.
  5. Einige typische PC-, Monitor- und Druckerarbeitsplätze messen.
  6. PoE- und Netzwerkverbrauch aus den vorhandenen Managementsystemen auslesen.
  7. Geräte identifizieren, die nachts und am Wochenende unnötig laufen.
  8. Maßnahmen nach Einsparpotenzial, Kosten und Umsetzungsaufwand priorisieren.

Dabei sollte nicht versucht werden, jede einzelne Kilowattstunde zu optimieren. Effektiver ist:
Die wenigen großen und dauerhaft laufenden Verbraucher zuerst angehen.

Fazit: Die teuersten Stromfresser sind oft nicht die offensichtlichsten

Die größten Energieeinsparungen in der Unternehmens-IT entstehen häufig nicht durch den Austausch einzelner Geräte, sondern durch eine bessere Nutzung der bereits vorhandenen Infrastruktur.

Ein System, das ohne Ersatz abgeschaltet werden kann, spart mehr als ein geringfügig effizienteres Netzteil. Eine konsolidierte VM-Landschaft bringt mehr als zehn kleine Standby-Optimierungen. Und eine sinnvoll geregelte, moderne Kühlung kann wirkungsvoller sein als der Austausch sämtlicher Büro-PCs.

Für Geschäftsführung und IT-Leitung bedeutet das vor allem eines:
Transparenz schaffen, bevor investiert wird und anschließend gezielt handeln.

Weiterführende Quellen

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