Überdimensionierte IT-Systeme gehören zu den größten versteckten Energieverbrauchern in Unternehmen. Server mit 32 virtuellen CPUs, obwohl die Anwendung selten mehr als vier nutzt. Virtuelle Maschinen mit 64 GB Arbeitsspeicher, obwohl dauerhaft weniger als 20 GB belegt sind. Datenbanken, deren Storage-Kapazität auf Jahre im Voraus ausgelegt wurde. Was häufig aus Sicherheitsdenken oder Zeitmangel entsteht, führt langfristig zu unnötigem Ressourcenverbrauch – und damit zu vermeidbaren Kosten und einem höheren ökologischen Fußabdruck.
Genau hier setzt das sogenannte Right-Sizing an. Dahinter verbirgt sich das Prinzip, IT-Ressourcen möglichst genau an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Das Ziel ist nicht, Systeme möglichst klein zu dimensionieren, sondern genau richtig. Denn sowohl Über- als auch Unterdimensionierung haben negative Auswirkungen – auf die Energieeffizienz, die Kosten und nicht zuletzt auf die Leistungsfähigkeit der IT.
Warum Überdimensionierung heute noch immer die Regel ist
In vielen Unternehmen werden Systeme nach dem Motto „lieber etwas größer als zu klein“ bereitgestellt. Das ist verständlich, schließlich soll genügend Leistungsreserve für zukünftiges Wachstum vorhanden sein. Hinzu kommt, dass zusätzliche virtuelle CPUs oder Arbeitsspeicher in virtualisierten Umgebungen scheinbar nichts kosten und mit wenigen Klicks vergeben werden können.
Das eigentliche Problem zeigt sich jedoch erst auf der Ebene der physischen Infrastruktur. Jede überdimensionierte virtuelle Maschine blockiert CPU-Kerne, Arbeitsspeicher oder Storage-Kapazitäten, die anderen Workloads nicht mehr zur Verfügung stehen. Dadurch sinkt die Konsolidierungsdichte auf den Virtualisierungshosts, was wiederum dazu führt, dass mehr physische Server betrieben werden müssen als eigentlich notwendig.
Die Folge ist ein höherer Stromverbrauch, ein größerer Kühlbedarf und letztlich auch ein höherer CO₂-Ausstoß. Right-Sizing ist deshalb nicht nur eine wirtschaftliche Maßnahme, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen IT-Strategie. Cloud-Anbieter wie AWS bezeichnen Right-Sizing daher als einen der wichtigsten Hebel zur Optimierung von Infrastrukturkosten und Ressourcennutzung.
Right-Sizing bedeutet kontinuierliche Optimierung
Ein häufiger Irrtum besteht darin, Right-Sizing als einmaliges Projekt zu betrachten. Tatsächlich handelt es sich um einen kontinuierlichen Prozess. Anwendungen verändern sich, Benutzerzahlen steigen oder sinken und neue Softwareversionen stellen andere Anforderungen an die Infrastruktur.
Deshalb sollten Ressourcen regelmäßig überprüft und angepasst werden. Moderne Virtualisierungsplattformen sowie Cloud-Management-Lösungen analysieren die tatsächliche Auslastung von CPU, Arbeitsspeicher und Storage über längere Zeiträume und geben konkrete Empfehlungen, welche Systeme vergrößert oder verkleinert werden sollten. VMware unterscheidet dabei bewusst zwischen Rightsizing, also der optimalen Dimensionierung einer virtuellen Maschine, und Reclamation, dem vollständigen Entfernen ungenutzter Ressourcen wie verwaister Snapshots oder stillgelegter VMs. Beide Maßnahmen ergänzen sich und tragen zur besseren Auslastung der Infrastruktur bei.
Der größte Hebel liegt meist bei virtuellen Maschinen
Gerade in virtualisierten Rechenzentren findet sich häufig das größte Einsparpotenzial. Viele virtuelle Maschinen wurden vor Jahren eingerichtet und anschließend nie wieder hinsichtlich ihrer Ressourcenausstattung überprüft. Aus ursprünglich sinnvollen Reserven werden dadurch dauerhafte Überdimensionierungen.
In der Praxis zeigt sich häufig, dass sich ein erheblicher Teil der virtuellen Maschinen ohne Einschränkungen mit weniger virtuellen CPUs oder geringerem Arbeitsspeicher betreiben lässt. Dadurch steigt die Auslastung der Virtualisierungshosts, gleichzeitig sinkt der Bedarf an zusätzlicher Hardware.
Ein weiterer positiver Effekt ist eine verbesserte Performance. Entgegen der weit verbreiteten Annahme führen mehr virtuelle CPUs nicht automatisch zu einer höheren Geschwindigkeit. Überdimensionierte VMs verursachen häufig zusätzlichen Scheduling-Aufwand im Hypervisor und können dadurch sogar langsamer arbeiten als kleinere, passend dimensionierte Systeme. VMware weist seit Jahren darauf hin, dass eine möglichst bedarfsgerechte CPU-Konfiguration häufig die bessere Performance liefert als großzügige Reserven.
Auch Speicher und Storage sollten regelmäßig überprüft werden
Nicht nur Prozessoren werden häufig zu großzügig dimensioniert. Auch Arbeitsspeicher und Storage wachsen im Laufe der Jahre oft deutlich stärker als tatsächlich erforderlich.
Viele Anwendungen erhalten vorsorglich zusätzliche Ressourcen, obwohl deren Nutzung dauerhaft niedrig bleibt. Gerade Arbeitsspeicher gehört jedoch zu den teuersten und energieintensivsten Ressourcen eines Servers. Jede nicht benötigte Speicherzuweisung reduziert die Zahl der virtuellen Maschinen, die auf einem Host betrieben werden können.
Ähnliches gilt für Storage. Überdimensionierte Volumes verursachen nicht nur höhere Kosten, sondern erschweren auch Backup- und Replikationsprozesse. Werden Speicherkapazitäten regelmäßig überprüft und an den tatsächlichen Bedarf angepasst, profitieren davon sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Nachhaltigkeit der gesamten Infrastruktur.
Ohne Monitoring ist Right-Sizing nicht möglich
Grundlage jeder Right-Sizing-Strategie sind belastbare Messdaten. Entscheidungen sollten niemals auf Momentaufnahmen basieren, sondern auf langfristigen Lastprofilen.
Besonders aussagekräftig sind dabei unter anderem:
- durchschnittliche und maximale CPU-Auslastung
- Arbeitsspeicherauslastung
- Storage-I/O
- Netzwerkdurchsatz
- saisonale oder tageszeitabhängige Lastschwankungen
Erst wenn diese Daten über mehrere Wochen oder Monate betrachtet werden, entsteht ein realistisches Bild der tatsächlichen Ressourcenanforderungen. Moderne Monitoring- und Capacity-Management-Lösungen unterstützen diesen Prozess zunehmend automatisiert und liefern konkrete Handlungsempfehlungen für die optimale Dimensionierung. Auch Forschungseinrichtungen wie das NIST beschäftigen sich mit Verfahren, die Workloads dynamisch skalieren und möglichst effizient auf physische Hosts verteilen, um Ressourcen optimal auszunutzen.
Right-Sizing und Green IT gehören untrennbar zusammen
Im Zusammenhang mit Green IT wird häufig über energieeffizientere Hardware gesprochen. Dabei wird leicht übersehen, dass die effizienteste Hardware immer diejenige ist, die gar nicht erst angeschafft werden muss.
Genau hier entfaltet Right-Sizing seine größte Wirkung. Werden virtuelle Maschinen konsequent an ihren tatsächlichen Bedarf angepasst, können auf derselben Hardware deutlich mehr Workloads betrieben werden. Die Folge sind höhere Konsolidierungsraten, weniger physische Server und ein entsprechend geringerer Energiebedarf für Betrieb und Kühlung.
Right-Sizing ist deshalb weit mehr als eine technische Optimierungsmaßnahme. Es ist ein strategischer Ansatz, der Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Betriebssicherheit miteinander verbindet. Unternehmen, die ihre Infrastruktur regelmäßig analysieren und Ressourcen konsequent anpassen, schaffen nicht nur die Grundlage für geringere Betriebskosten, sondern erfüllen gleichzeitig eine wesentliche Voraussetzung für eine energieeffiziente und zukunftsfähige IT.
Fazit
Right-Sizing gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, um bestehende IT-Infrastrukturen effizienter zu betreiben. Statt neue Hardware anzuschaffen, werden vorhandene Ressourcen besser genutzt. Das reduziert Investitions- und Betriebskosten, verbessert die Auslastung der Infrastruktur und senkt gleichzeitig den Energieverbrauch.
Gerade im Zusammenspiel mit Virtualisierung, kontinuierlichem Monitoring und einer regelmäßigen Überprüfung der Ressourcenzuweisungen entsteht ein nachhaltiger Optimierungsprozess. Für Unternehmen, die Green IT nicht nur als Schlagwort verstehen, sondern messbar umsetzen möchten, sollte Right-Sizing deshalb ein fester Bestandteil jeder IT-Strategie sein.
